Das Projekt

Das Projekt Schule des Essens startete 2014. Wir haben klein angefangen, aber von Anfang an groß gedacht. Wissenschaftlich fundiert, mit einem pädagogischen Konzept hinterlegt und auf den Ergebnissen einer Ist-Analyse, einer Machbarkeitserhebung und der Evaluierung der zweijährigen Pilotphase aufbauend, wollen wir Kooperationen und Allianzen eingehen, um die Vision eines flächendeckenden, inhaltlich umfassenden Schulfaches gemeinsam voranzutreiben. Bestehendes Bewährtes soll dabei selbstverständlich integriert werden.

Unserem wissenschaftlichen Hintergrund Rechnung tragend, ist die Schule des Essens auch eine Studie: Wir testen unterschiedliche Szenarien, wie diese Art der Ernährungsbildung Einzug in österreichische Schulen halten kann und was sie bewirken kann. Selbstverständlich evaluieren wir unsere Aktivitäten, Materialien und Methoden laufend.

Der bisherige Projektablauf und ein Blick in die Zukunft:

Wie alles anfing …

Ich, Theres Rathmanner, bin Ernährungswissenschaftlerin. Mein Doktorat in medizinischer Wissenschaft führte mich in die Gesundheitsförderung. Bald war es mir nicht mehr genug, dass Essen “nur” gesund erhalten soll. Wo blieb der Genuss?! Nach einem Sozialeinsatz in Brasilien und zwei Jahren Entwicklungszusammenarbeit in Mosambik war mir zusätzlich klar: Unser Ernährungsstil soll für Umwelt und Menschen verträglich sein, und das weltweit. Ich war in der nachhaltigen Ernährung angekommen.

Komplexe Zusammenhänge in Alltagssprache zu übersetzen und mit Menschen zu arbeiten, waren mir immer die liebste Herausforderungen in meinem Berufsleben. Dass und wie das Erlernen von Kompetenzen rund ums Essen schon bei den ganz Kleinen anfängt, weiß ich noch genauer, seit ich Mutter bin.

An vielen Ernährungsprojekten – egal, ob für Kinder oder Erwachsene – störte mich schon lange, dass sie zu gesundheitsorientiert und zu schulmeisterlich waren. Mir fehlte da nicht nur der Genuss, sondern auch die Freude! Der nächste Schritt war nur logisch: 2013 konzipierte ich die Schule des Essens. Mit dem FiBL und dem Freiland-Verband fand ich Verbündete, die die Idee sofort begeistert mittrugen, und in Dr. Michael Blass, Geschäftsführer der AMA-Marketing, einen authentischen Fürsprecher. Der Rest ist Geschichte und hat hoffentlich eine große Zukunft!

Phase 1: Machbarkeitserhebung (2014)

Analyse von Hintergrund und Notwendigkeit der Schule des Essens
Überblick über die Ernährungsbildung in Österreich mit besonderem Augenmerk auf den Aspekt der Nachhaltigkeit
Erhebung vergleichbarer nationaler und internationaler Projekte und Initiativen
Ausgestaltung des Ernährungsbildungskonzeptes Schule des Essens
Erstellen von Szenarien der Umsetzung inklusive Ausloten der Realisierbarkeit
Erstellung eines Positionspapiers

Download der Zusammenfassung des Berichts der Machrbarkeitserhebung.

Phase 2: Pilotphase (2015–2017)

Umsetzung dreier Szenarien der Schule des Essens an drei Schulen:

Szenario 1: fächerübergreifender Schule des Essens-Unterricht an einer Klasse einer Wiener NMS. Unter der Anleitung von PädagogInnen aus den Disziplinen Biologie, Deutsch, bildnerische Erziehung, Mathematik, Bewegung und Sport sowie Musik beschäftigten sich die 23 SchülerInnen, viele von ihnen mit Migrationshintergrund, ein Semester lang mit unterschiedlichen Aspekten rund ums Essen. Das FiBL Österreich fungierte als Impulsgeber, wissenschaftliche Beratung und setzte selbst fünf praktische Einheiten um, die hauptsächlich in der Küche, aber auch in einem Supermarkt und auf einem Bio-Bauernhof stattfanden.

Szenario 2: Eine Klasse einer Wiener Volksschule kam für fünf Vormittage in ein externes Kochstudio. Unter FiBL-Anleitung kochten und genossen die 23 SchülerInnen, sehr viele von ihnen mit Migrationshintergrund, jedes Mal zweigängige Menüs, daneben fand ein wenig Informationsvermittlung statt. Zwei FiBL-geleitete Einheiten fanden in der Schule statt.

Szenario 3: Vier Ganztagesklassen einer Volksschule in Niederösterreich. Die insgesamt 65 SchülerInnen beschäftigten sich jeweils eine Projektwoche lang von 8:00 bis 16:00 unter FiBL-Anleitung sehr praxisorientiert mit verschieden Aspekten rund ums Essen. Auch hier fanden die Aktivitäten hauptsächlich in der Küche, gelegentlich in der Klasse und je ein Mal in einem Supermarkt und auf einem Bio-Bauernhof statt.

Mit allen beteiligten PädagogInnen gab es Kick-Offs: mindestens ein Treffen, das der Projekteinführung, einer kleinen Fortbildung zu Inhalten und Methodik der Schule des Essens sowie der Planung der Aktivitäten diente.

Alle drei Szenarien wurden umfassend evaluiert (Ergebnisse und Prozess).

Download der Zusammenfassung des Berichts der Pilotphase.

Phase 3: Ausbauphase (2017–2020)

Wir führen weiterhin Workshops in Schulen durch, wollen nun aber vermehrt PädagogInnen als PartnerInnen gewinnen und die Schule des Essens so breiter werden lassen.

Auf den Ergebnissen und Erfahrungen aus der Pilotphase aufbauend, arbeiten wir Materialien und ein Schulungskonzept aus, um es engagierten LehrerInnen zu ermöglichen, die Schule des Essens selbst umzusetzen. Wir konzentrieren uns dabei zunächst auf die Schulstufen drei bis sechs (3. Klasse Volksschule bis 2. Klasse NMS/AHS).

Die Ausbauphase ist in Kooperation mit verschiedenen Stakeholdern aus dem Bereich Lebensmittel, Ernährung und Landwirtschaft geplant (u. a. AMA Marketing, forum. ernährung heute, ARGE Bäuerinnen/Seminarbäuerinnen).

Darüber hinaus führen wir laufend Gespräche mit Stakeholdern und weiteren möglichen KooperationspartnerInnen und betreiben Öffentlichkeitsarbeit.

Flankierend finden weiterhin laufend Evaluierungen statt.

Langfristig

Langfristig führt kein Weg an verstärkten Angeboten für PädagogInnen vorbei. Mit Materialien und Fortbildungen wollen wir Unterrichtende unterstützen, die Schule des Essens langfristig und regelmäßig in ihren Schulalltag einzubauen (zum Beispiel wöchentlich über ein Schuljahr oder zweiwöchentlich über zwei Schuljahre).

Dabei sollen die PädagogInnen nicht nur von uns Unterstützung bekommen, sondern auch von kocherfahrenen Schule-des-Essens-Buddies. Das können Seminarbäuerinnen sein oder auch engagierte Freiwillige: Omas, Opas, Eltern, Tanten. Beide Gruppen sollen entsprechende, von uns ausgearbeitete und in Kooperation mit pädagogischen Hochschulen realisierte Fortbildungen erhalten.

In Ganztagesschulen sehen wir aufgrund deren zeitlich größeren Flexibilität das größte Potenzial, die Schule des Essens umzusetzen.
Langfristig soll die Zielgruppe auch auf ältere Jugendliche ausgedehnt werden.

Das Schule-des-Essens-Büro soll ausgebaut werden. Es fungiert als Kompetenzzentrum und Servicestelle, das einerseits den umsetzenden Schulen in organisatorischen und inhaltlichen Fragen zur Seite steht und andererseits die Wissenschaftlichkeit und Qualität des Programms garantiert.

Evaluierungen, Gespräche mit potenziellen Stakeholdern und KooperationspartnerInnen, Lobbying und Öffentlichkeitsarbeit bleiben auch langfristig wichtige Aktivitäten.